Herzgruppen

DIE HERZGRUPPEN DEUTSCHLANDS

Herzgruppen betreuen chronisch Herzkranke im Sinne einer lebenslangen Rehabilitation am Heimatort. Bezeichnet werden sie als ärztlich betreute und begleitete Selbsthilfegruppen, in denen die "Mündigkeit" des einzelnen Patienten geweckt und gestärkt werden soll, damit er als "Fachmann seiner Krankheit" kompetent Selbstverantwortung übernehmen kann.

Dazu erlernt er in den Herzgruppen die Einschätzung seiner eigenen körperlichen Belastbarkeit, die Beherrschung seiner persönlichen Risikofaktoren (Sekundärprävention) und die Bewältigung seiner persönlichen Behinderung durch die chronische Krankheit.

Ein- bis zweimal pro Woche werden bundesweit in rund 6.000 Herzgruppen über 100.000 Patienten, z. T. mit ihren Lebenspartnern, so betreut und angeleitet von entsprechend qualifizierten Übungsleitern und mehr als 7.000 Ärzten, die diese Aufgabe in ihrer großen Mehrzahl ehrenamtlich ausüben.

Gesetzliche und vertragliche Grundlagen
Rehabilitationssport in Herzgruppen ist eine ergänzende Leistung zur medizinischen Rehabilitation nach Sozialgesetzbuch (SGB) V § 43 in Verbindung mit SGB IX § 44. Die Rehabilitationsträger (gesetzliche Krankenkassen, gesetzliche Renten- und Unfallversicherungsträger), haben gemeinsam mit dem Deutschen Behindertensportverband (DBS), der Deutschen Gesellschaft für Prävention und Rehabilitation von Herz-Kreislauferkrankungen (DGPR) und der Deutschen Rheuma-Liga (DRL) nach Beratungen auf Ebene der Bundesarbeitsgemeinschaft für Rehabilitation (BAR) die Durchführung von Rehabilitationssport und Funktionstraining durch die am 1. Oktober 2003 in Kraft getretene Rahmenvereinbarung neu geregelt. Die Rahmenvereinbarung über den Rehabilitationssport und das Funktionstraining vom 1.10.2003 löste die bis dahin geltende „Gesamtvereinbarung über den Rehabilitationssport und das Funktionstraining vom 1. Januar 1994“ ab. Seit Jahresbeginn 2007 liegt die Rahmenvereinbarung in der Fassung vom 01.01.2007 vor.

Download Rahmenvereinbarung Rehabilitationssportund Funktionstraining vom 01.10.2003 i.d.F. vom 01.01.2007

Neu geregelt wurden in diesem Zuge auch die Empfehlungen zur Leistungsdauer des Rehabilitationssports bei Herzkrankheiten der DGPR und der Spitzenverbände der Krankenkassen.

Download Empfehlungen zur Leistungsdauer des Rehabilitationssports bei Herzkrankheiten vom 24. Juli 2003 i.d.F. vom 01. Januar 2007

Als verantwortliche Dachorganisation auf Bundesebene hat die DGPR in einem Positionspapier das etablierte Konzept "Herzgruppe" auf der Basis aktueller wissenschaftlicher Erkenntnisse unter Berücksichtigung veränderter gesetzlicher und vertraglicher Vorgaben weiterentwickelt und zukunftsweisend konkretisiert.
Download Herzgruppe. Positionspapier der DGPR. Eigenverlag, Koblenz, Juni 2004. Originalpublikation: Z Kardiol 93:839-847 (2004).

Organisatorisch werden Herzgruppen von den Landesorganisationen der DGPR betreut und unterstützt. Bitte wenden Sie sich zu allen weitergehenden Fragen an die in den jeweiligen Bundesländern zuständigen Trägerverbände des Rehabilitationssports in Herzgruppen.
zu den Kontaktadressen der DGPR-Landesorganisationen

INFORMATION FÜR ÄRZTE

Für praktische Hilfen zur Gründung von Herzgruppen können sich interessierte Ärzte an die Landesorganisationen der DGPR wenden.

zu den DGPR-Landesorganisationen

INFORMATION FÜR PATIENTEN

·Was ist eine Herzgruppe?
·Gehören Sie zu den Patienten, denen der Hausarzt die Teilnahme in einer Herzgruppe verordnen sollte?
·Was geschieht in einer Herzgruppe?
·Warum lohnt sich die Teilnahme an einer Herzgruppe?
·Was können Sie tun, um an den Veranstaltungen einer Herzgruppe teilnehmen zu können?

WAS IST EINE HERZGRUPPE?

Die Herzgruppe am Wohnort ist eine Gruppe von Patienten mit koronarer oder einen anderen Herzkrankheit. Eine solche Gruppe trifft sich unter der Leitung eines speziell ausgebildeten Übungsleiters und eines kardiologisch erfahrenen Arztes regelmäßig, zumeist einmal wöchentlich, um gemeinsam durch Bewegungstherapie, Entspannungsübungen, Gruppengesprächen und andere Maßnahmen (z.B. Ernährungsberatung) die Reduzierung der cardiovaskulären bzw. Herz-Kreislauf-Risikofaktoren anzustreben. Bewegungstherapie als wesentlicher Bestandteil ist dabei die ärztlich verordnete, dosierte, der Leistungseinschränkung des Patienten individuell angepaßte und ärztlich überwachte körperliche Aktivität. Die Verantwortung für die gesamte Therapie jedes Teilnehmers liegt beim behandelnden Arzt.
Es wird nach Grad der Belastbarkeit unterschieden:
Trainingsgruppe: Belastbarkeit zwischen 75 Watt oder besser 1 Watt/kg Körpergewicht.
Übungsgruppe: Belastbarkeit weniger als 75 Watt oder besser weniger als 1 Watt/kg Körpergewicht.
Gemischte Gruppe: die übliche Gruppeneinteilung kann zum Teil aus räumlichen oder personellen Gründen nicht vorgenommen werden oder es werden aus psychologischen, didaktischen oder medizinischen Gründen alle Patienten in einer Gruppe zusammengefaßt.

GEHÖREN SIE ZU DEN PATIENTEN, DENEN DER HAUSARZT DIE TEILNAHME IN EINER HERZGRUPPE VERORDNEN SOLLTE?

1. Patienten mit koronarer Herzerkrankung
o mit stabiler Angina pectoris
o nach Herzinfarkt und Reinfarkt
o nach Bypassoperation
o nach Ballondilatation, der sog. "perkutanen transluminalen coronaren Angioplastie" (PTCA)
2. Patienten mit Herzfehlern und Herzklappenfehlern, insbesondere nach operativer Korrektur
3. Patienten nach Herztransplantation
4. Patienten nach Myocarditis
5. Patienten mit Kardiomyopathien (KM)
6. Patienten nach Schrittmacherimplantation
7. Patienten mit implantiertem Defibrillator
8. Patienten mit ausgesprochen funktionellen Herz-Kreislauf-Störungen,
z. B. dem hyperkinetischen Herzsyndrom

An medizinischen Unterlagen, die nicht älter als drei Monate sein dürfen, sind erforderlich:

* Ärztlicher Untersuchungsbefund
* Ergometerbelastung
* Bestimmung der linksventrikulären Funktion, z. B. Echo
* Bei Herzpatienten mit Anschluß-Heilbehandlung oder nach regulärer Heilmaßnahme: der Bericht der Rehabilitationsklinik

So sieht z. B. die Verordnung des Hausarztes aus:
Rezept: Teilnahme in einer Herzgruppe (Trainings-/Übungsgruppe) für 90 Übungseinheiten in 24 Monaten (= regelhafte Leistungsdauer der gesetzlichen Krankenversicherung); Diagnose: Zustand nach Myokard-Infarkt.
Der Patient legt das rosaFormular (Muster 56) zur Genehmigung bei der Krankenkasse vor.

WAS GESCHIEHT IN EINER HERZGRUPPE?

"Wer rastet - der rostet" - Die Mitglieder einer Herzgruppe treffen sich in der Regel einmal in der Woche zum gesundheitsorientierten Sport, zu Spielen und Gesprächen.
Bei Sport und Spiel geht es jedoch nicht darum, Höchstleistungen zu erreichen. Vielmehr wird den Teilnehmern in der Herzgruppe die Möglichkeit gegeben, an ihrem Wohnort die in der Rehabilitationsklinik erlernte Bewegungstherapie fortzusetzen. Dabei soll sich jeder so viel belasten, wie es sein Gesundheitszustand erlaubt und vom Arzt und Übungsleiter für Herz und Kreislauf für notwendig gehalten wird. Durch die richtig dosierte Bewegung werden Herz und Kreislauf trainiert. Ein trainiertes Herz strengt sich weniger an bei den Belastungen im Beruf, beim Treppen steigen oder zum Beispiel beim Tragen von Einkaufstaschen. Auch ist ein trainiertes Herz gegenüber Rhythmusstörungen widerstandsfähiger.
Die Gefahr, daß Sie sich bei Sport uns Spiel in der Herzgruppe überfordern, besteht praktisch nicht. Dafür sorgen Ihr Hausarzt, der Übungsleiter und der Herzgruppenarzt.

WARUM LOHNT SICH DIE TEILNAHME AN EINER HERZGRUPPE?

Mitgliedern einer Herzgruppe fällt es leichter, gesund zu leben, als Herzpatienten, die keiner Gruppe angehören. Das beweist eine an der Universität Heidelberg durchgeführte Studie: Die zu Herzkrankheiten führenden Risikofaktoren wie z. B. Rauchen, zu hohe Blutfette, Übergewicht und Bluthochdruck werden in der Gruppe besser und auf Dauer abgebaut. Die Berliner KHK- Studie zeigt, daß die Sterblichkeit und Reinfarkthäufigkeit bei Teilnehmern einer Herzgruppe deutlich niedriger ist, als bei Patienten, die nicht in einer Herzgruppe mitgemacht haben. In der Herzgruppe lernen Sie, Ihre Belastungsfähigkeit richtig einschätzen. Und - Sie blicken wieder hoffnungsvoller in die Zukunft. Für viele Herzgruppenmitglieder sind die Gespräche mit den Teilnehmern interessant, die schon länger der Gruppe angehören. Es werden Erfahrungen ausgetauscht, die Ihnen helfen, Probleme zu lösen. Darüber hinaus entstehen in der Gruppe häufig neue Freundschaften, in die auch die Lebenspartner mit einbezogen werden.
Zu den Angeboten der Herzgruppen gehören vielfach auch Entspannungstechniken und Ernährungsberatung. Es werden Fragen zu beruflichen, familiären oder medizinischen Problemen beantwortet. Daneben bieten zahlreiche Gruppen - überwiegend von Mitgliedern selbst organisierte - Veranstaltungen wie: Besichtigungen, Wanderungen, Tanzfeste, Theaterbesuche und sogar Wander- und Skilanglauf- Urlaube. Daran sollen natürlich auch die Lebenspartner teilnehmen.

WAS KÖNNEN SIE TUN, UM AN DEN VERANSTALTUNGEN EINER HERZGRUPPE TEILNEHMEN ZU KÖNNEN?

1. Ärztliche Empfehlung einholen (behandelnder Arzt, Hausarzt)
2. Bei Ihrer Krankenkasse oder Rentenversicherung den Antrag auf Förderung von Rehabilitationssport vorlegen (Muster 56)
3. Zur weiteren Information und Vermittlung einer Herzgruppe am Wohnort wenden Sie sich an die jeweilige zuständige Landesorganisation. Je nachdem in welchem Bundesland Sie leben.
4. Eine Gruppe "aussuchen" und anschauen, bzw. zur Probe mitmachen

Quellen: "Die Herzgruppe am Wohnort" LAG Hamburg und LV Rheinland-Pfalz