DGPR trauert um Gründungspräsident Prof. Dr. med. Klaus Held

Vaterfigur und Ehrenpräsident der Gesellschaft im Alter von 93 Jahren verstorben

Koblenz/Göttingen. Prof. Dr. med. Klaus Held, Göttingen (*06.12.1931), der Gründungs- und Ehrenpräsident der Deutschen Gesellschaft für Prävention und Rehabilitation von Herz-Kreislauferkrankungen e. V. (DGPR) und Träger der Peter-Beckmann-Medaille, ist am 19. November 2025 im Alter von 93 Jahren verstorben. Bis zuletzt geistig und körperlich vital und in regelmäßigem Kontakt mit der DGPR, ist er wenige Tage vor seinem 94. Geburtstag für immer von uns gegangen. 

Klaus Held ist zweifellos die alles überstrahlende Figur in der Historie der Fachgesellschaft seit ihrer „Wiedergeburt“ 1990. Als Gründungspräsident baute er die DGPR 1990 aus den Ruinen der Vorgängergesellschaft DAG (Deutsche Arbeitsgemeinschaft für kardiologische Prävention und Rehabilitation) auf. Am 16. März 1990 nahm er auf einer außerordentlichen Mitgliederversammlung in Köln die Wahl zum Vorsitzenden an. Federführend entwickelte er mit engen Mitstreitern wie Dr. med. Franz Theisen die damalige neue Satzung, basierend auf einem 3-Säulen-Modell mit den Bereichen Prävention und kardiologische Rehabilitation Phase II und III (nach WHO) als zentrale Aufgabengebiete der Gesellschaft. Mit einem Stamm von gerade einmal sechs beitragszahlenden Mitgliedskliniken und der verbliebenen Schar der persönlichen DAG-Mitglieder nahm die DGPR ihre Geschäfte auf. Gemeinsam mit Prof. Dr. med. Richard Rost aus Köln und Manfred Bender, der fortan bis 2003 auch als Geschäftsführer in der nach Koblenz verlegten Geschäftsstelle fungierte, initiierte Held parallel die Gründung des Fördervereins der DGPR, um die Gesellschaft so rasch wie möglich wieder auf eine solide finanzielle Basis zu stellen. 

Der außerordentlichen Fähigkeit Helds, andere für die ehrenamtliche Mitarbeit zu begeistern, war es zu verdanken, dass die DGPR in der Folge eine rasante Entwicklung nahm und nach zwölf Jahren seiner Präsidentschaft (bis 2002) und weiteren vier Jahren als Ärztlicher Geschäftsführer 2006 rund 120 Mitgliedskliniken (heute etwa 90) und über 700 (heute rund 850) persönliche Mitglieder zählen konnte. Verdreifacht auf über 6.000 (heute rund 7.000) hatte sich seit 1990 auch die Zahl der Herzgruppen in Deutschland unter mehrheitlicher Trägerschaft der DGPR-Landesorganisationen. 

Klaus Held wurde am 6. Dezember 1931 in Köln geboren. Nach dem Medizin-Studium in Tübingen, Paris, Hamburg und München folgte die Ausbildung in Hamburg, Köln, New York, Münster und Kiel, die er 1967 als Facharzt für Innere Medizin abschloss. Mit der Ernennung zum außerplanmäßigen Professor 1974 folgte er dem Ruf als Chefarzt des Evangelischen Krankenhauses Göttingen-Weende, dem er von 1975 bis 2000, weit über sein 65. Lebensjahr hinaus, als Ärztlicher Direktor und Chefarzt der Medizinischen Klinik vorstand. In diese Zeit fiel auch der von ihm mit Vehemenz und unerschütterlichem Glauben initiierte Neustart der DGPR. 

In einem Interview anlässlich seines 90. Geburtstages sprach er einmal über die Beweggründe, warum er sich als renommierter Akutkardiologe der Rehabilitation gegenüber, wenn auch recht spät, geöffnet hatte. Sein Vater, ebenfalls internistischer Chefarzt, habe seinen beiden Söhnen die feste Überzeugung mitgegeben, dass erst die Ergänzung einer soliden naturwissenschaftlichen Grundlage durch die Einbeziehung der heute sogenannten psychosozialen Dimension aus dem „Mediziner“ einen „Arzt“ werden lässt. Nachdem diese Sichtweise in seiner damaligen akademisch-„schulmedizinischen“ Ausbildung und seiner Tätigkeit als Oberarzt einer Uni-Klinik allerdings lange kein Thema gewesen sei, habe ihm das moderne Reha-Konzept erst in seiner Zeit als Chefarzt die fehlende Ergänzung offeriert. Vermittelt worden sei ihm diese Erkenntnis von einem benachbarten Chefarzt aus Northeim und bald guten Freund, Prof. Dr. med. Klaus Kühns, der 1974 die erste Herzgruppe in Niedersachsen gegründet hatte und später, wie Held selbst, dessen Landesorganisation führte. Der Nestor der modernen Reha-Kardiologie, Prof. Dr. med. Max J. Halhuber, habe die unterschiedlichen Anforderungen und Aufgaben einmal wie folgt definiert: „Akutmediziner sind Feuerwehrleute, Rehaärzte Gärtner“.

Fachlich war Held durch diesen ganzheitlichen, integrativen Ansatz von Akut- und Reha-Kardiologie mit einer umfassenden, über jeden Zweifel erhabenen medizinischen Expertise ausgestattet. Führungsstärke und Entscheidungsfreude gehörten zu seinen persönlichen Eigenschaften wie der offene und respektvolle Umgang mit seinen Mitstreitern.  Standesdünkel war ihm als Verfechter eines humanistischen Menschenbilds fremd. 

Schon zu Beginn seiner Amtszeit in der DGPR erkannte Held die Bedeutung einer konsequent betriebenen Reha-Forschung und Qualitätssicherung für die Anerkennung der im Vergleich zur Akutkardiologie noch relativ jungen kardiologischen Rehabilitationsmedizin. Die DGPR-Empfehlungen zur Prozessqualität in der kardiologischen Rehabilitation Phase II gehörten seinerzeit, als Vorläufer der späteren Leitlinien, zu den großen Standardwerken der Reha-Kardiologie. Das noch heute erscheinende DGPR-Klinikverzeichnis wurde erstmals 1996 aufgelegt und zählte Mitte der 2000er-Jahre  zwischenzeitlich bundesweit über 130 Rehabilitationskliniken und -einrichtungen, die erfolgreich nach den Strukturqualitätsrichtlinien der DGPR geprüft und zertifiziert wurden. 

Nur wenige Monate nach dem Mauerfall im Herbst 1989 forcierte Held in den neuen Bundesländern den Aufbau der DGPR-Landesorganisationen und der Herzgruppen, in denen chronisch Herzkranke nach dem Aufenthalt in der Akut-Klinik und/oder der Anschlussheilbehandlung (AHB) in der Reha-Klinik im Sinne einer lebenslangen Rehabilitation am Heimatort weiterbetreut werden.

Als Akutmediziner suchte er zudem frühzeitig den Dialog und die Kooperation mit angrenzenden Fachgesellschaften in der Nationalen Herz-Kreislauf-Konferenz (NHKK), deren Geschäfte er von 1992 bis 1993 und von 2000 bis 2001 führte. Die 1990 im Gründungsjahr der DGPR initiierte Arbeitsgemeinschaft war vorweggenommene Konsequenz einer Zusammenarbeit, die heute bspw. in der Nationalen Herz-Allianz (NHA) in der Optimierung einer sektorübergreifenden und interdisziplinären Gesamtstrategie zur Prävention und Rehabilitation der Atherosklerose ihre Fortsetzung findet. 

Für seine herausragenden Verdienste um die DGPR wurde er 2006 von der Mitgliederversammlung zum bisher einzigen Ehrenpräsidenten ernannt. 2009 erhielt er die Peter-Beckmann-Medaille der DGPR, überreicht von seinem unmittelbaren Nachfolger im Präsidentenamt (2002 – 2005) und Laudator Prof. Dr. med. Marthin Karoff. Von 1988 bis 2005 war er zudem Vorsitzender der Landesarbeitsgemeinschaft für kardiologische Prävention und Rehabilitation in Niedersachsen. Für sein außerordentliches ehrenamtliches Engagement wurde ihm 1997 vom früheren Bundespräsidenten Roman Herzog auf Vorschlag des damaligen niedersächsischen Ministerpräsidenten und späteren Bundeskanzlers Gerhard Schröder das Bundesverdienstkreuz am Bande verliehen. 

Die Geschichte der DGPR wird für immer untrennbar mit dem Namen Prof. Dr. med. Klaus Held verknüpft bleiben. So wie sein Wirken und sein Auftreten zeitlebens beeindruckt haben, so wird auch sein Lebenswerk weit über seinen Tod hinaus in nachhaltiger Erinnerung bleiben. Aus dem engsten Familienkreis, in dem auch die Beisetzung im Familiengrab in Dänemark stattfinden wird, trauern seine Frau Hanne, eine gebürtige Dänin, drei Kinder, vier Enkel und zwei Urenkel um Klaus Held. In tiefer Trauer, aber auch großer Dankbarkeit nimmt die DGPR mit vielen gemeinsamen Weggefährten Abschied von Prof. Dr. med. Klaus Held und wird ihm stets ein ehrendes Andenken bewahren.

 

Text: P. Ritter
Foto (Archiv, DGPR 2001)